Dark & Lo-Fi

Rock’n'Roll mit Brille

Die Polizei im Zeitalter des Understatements

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Etwas verspätet ein paar Worte zu The Last Shadow Puppets live: 

Dank einer überaus glücklichen Fügung des Schicksals durfte ich am Dienstag in den heiligen Hallen der BBC eine Aufzeichnung für “Later… with Jools Holland” mitverfolgen. Alex Turner und seine Droogs (neben den regulären Bandmates ein ganzes Orchester!) begeisterten dabei ein illustres Publikum – von Pixie Geldof über die Klaxons in der Promi-Loge bis hin zu uns Normalos, die in den übrigen Ecken des Studios jubelten. Auch mir selbst bleibt in der Tat nichts übrig, als den virtuellen Hut vor ihren eingängigen Songs mit grandiosen Streicher-Arrangements zu ziehen – erdacht von niemand geringerem als Owen Pallett von Final Fantasy himself. Scott Walker war der Bezugspunkt, der mehrmals im Lauf des Abends fiel, und den ich an dieser Stelle unkommentiert stehen lassen möchte. 

Überhaupt war das Programm der Sendung nicht schlecht: die legendäre Sharon Jones and the Dap-Kings, Devotchka, Phil Campbell, Toumani Diabate aus Mali und die wieder auferstandenen Portishead. Ausnahmslos alle waren beeindruckend, letztere jedoch wirkten mit einem Riesenaufbau an Elektronik auf ihrem Bühnenabschnitt im Vergleich zu den handgemachten Sounds ihrer Mitstreiter etwas unzeitgemäß.

Man darf also hoffen, dass auch in Zukunft das Herzblut wieder ein bisschen ungefilterter in die aktuelle Popmusik einfließt. In diesem Zusammenhang möchte ich hiermit jedem wärmstens Joan Wasser aka “Joan As Police Woman” empfehlen. Die Dame ist nicht nur Multiinstrumentalistin, sondern auch eine fantastische Sängerin, und veröffentlicht im Juni ihr neues Album “To Survive”. Gestern stellte sie es im Rahmen eines kleinen Clubkonzerts im Roundhouse Studio in Camden vor. Unterstützt von Drummer Parker Kindred und Bassistin Rainy Orteca sang sich Joan durch die neuen Songs – zum Teil am Keyboard, den Rest der Songs an der Gitarre. Ihr beeindruckendstes Instrument aber ist ohne Zweifel ihre raumfüllende Stimme, die in ihrer Vielschichtigkeit an Feist und Nina Simone erinnert – nur etwas weniger gefällig. In Kombination mit etwas schrägen, jazzigen Songs entstand eine ganz besondere Atmosphäre in dem ca. 150 Personen fassenden Raum. Man fühlte sich gedanklich in eine verrauchte Kellerbar in New York versetzt, aus der man nach der Show in eine heiße Sommernacht treten gewollt hätte, um mit seinem Liebsten barfuß den Heimweg in ein überhitztes und schlecht gelüftetes Apartment anzutreten, um dort die verschwitzte Nacht mit einer Flasche Rotwein zu teilen…

Umso  harscher wurde man also in die Realität zurück geholt, als man nach dem knapp einstündigen Konzert “erwachte”, und aus dem kuschligen Roundhouse nach draußen auf die Chalk Farm Road trat. Dort wehte ein verdammt eisiger Wind und erinnerte einen daran, dass es noch eine Weile hin ist bis zum Sommer in London…

Video: Joan As Police Woman – The Ride

Written by cdeck

April 17, 2008 at 11:36 pm

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